Vier Jahreszeiten und eine Etappe

Erkundung von Hami nach Urumqi für die Tour MYTHOS SEIDENSTRASSE

154 Kilometer und fast 2000 Höhenmeter

Für alle, die jetzt einen Schreck bekommen: Auf der Mythos Seidenstraßentour ist diese Etappe in zwei Abschnitte über zwei Tage aufgeteilt. Ich dachte, ich schaffe es auch in einem Tag, war aber von der kürzesten Stecke durch eine enge, steile Schlucht ausgegangen, die neu erschlossen ist. Nur um am Eingang der Schlucht zu erfahren, dass die Straße durch die Schlucht für nicht motorisierte Fahrzeuge gesperrt ist, aus Sicherheitsgründen. „Aber ich habe doch einen Motor!“, protestiere ich und zeige auf meinen mittig verbauten Flüsterpanasonic. „Zählt nicht!“, kommentiert der uigurische Polizist trocken und schickt mich auf einen 20 Kilometer langen Umweg. „Der ist weniger steil!“, versucht er mir die Route schmackhaft zu machen. Da hat er durchaus recht! Aber reichen meine zwei Akkus für 154 Kilometer und 2000 Höhenmeter?

Aber von vorne: Nach dem Glutofen Chongqing, in dem ich drei Tage bei bis zu 44 Grad verbracht habe, erscheinen mir die 38 Grad in Hami fast kühl. Als ich dann am frühen Morgen auf dem Rad sitze, hat es schon über 30 Grad. Umso höher ich komme, um so frischer wird es, tröste ich mich. Und radle weiter so rhythmisch wie möglich die immerhin 85 Kilometer bergauf. Der längste Anstieg, den ich je gefahren bin, könnte ich jetzt schreiben, aber vor ziemlich genau 20 Jahren bin ich ebendiesen Pass schon einmal gefahren, damal ohne Gepäck, dafür mit dem Biobike. Aber sicherlich nicht mit dem 20er-Schnitt, den ich versuche zu halten, um einigermaßen im Hellen in Barkol anzukommen. Glücklicherweise wird es in Xinjiang erst um 22:00 Uhr dunkel, Pekingzeit, die hier wie überall im Reich der Mitte gilt.

Und auch wenn es gut rollt, schlägt das Wetter Kapriolen. Insgesamt fünfmal werde ich klatschnass und trockne wieder ab, fünfmal stürzt die Temperatur um 10-15 Grad ab, um dann wieder auf 25-30 Grad zu erwärmen. Und der Rückenwind, der mich aus dem Tal den Pass hinaufgeblasen hat, schlägt in heftigen Gegenwind um. Auf der Passhöhe wird mir klar (und es gibt ja gute Gründe, warum wir auf der Tour hier übernachten!), dass Radakku und mein Akku eventuell vor dem Ziel den Geist aufgeben werden.

Da kommt mir das schöne Resorthotel inmitten des Graslandes gerade recht, das ich auch für die Tour eingeplant habe. Was ich aber nicht auf dem Zettel hatte: Es ist Hochsaison und Wochenende und das Hotel, wie auch alle Unterkünfte in 50 Kilometern Umkreis, solide ausgebucht. Also Augen zu und durch, die grüne Hochebene, an deren Ende sich Sanddünen und Schneeberge anschließen, erfreut zumindest meine Sinne, die im Wettstreit mit meinen Muskeln sind, die sich beschweren, warum ich heute so weit fahre. Wer auch immer behauptet hat, E-Bike-Fahrer seien Weicheier, dem wünsche ich einmal eine Tour wie diese.

Wie auch immer, genau vier Kilometer vor dem Hotel ist auch der zweite Akku alle, was aber nichts macht, da es von der Anhöhe, auf der mein Rad so langsam austrudelt, es nur noch bergab geht.

Und Barkol, das ich als Zwei-Straßen-Dorf kenne, ist eine vibrierende Kleinstadt geworden, mit einer nach allerlei Köstlichkeiten durftenden Restaurantstraße gleich um die Ecke meines Hotels.

Für alle Mitradler (es sind inzwischen schon sieben Durchfahrer und etliche Teiletappenbuchungen): Freut auch auf diese Königsetappe und genießt, dass wir sie in zwei Etappen fahren!

Wer radelt mit?

Hier geht’s zur Tour:

MYTHOS SEIDENSTRASSE

 

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