Das eiserne Tor zum Himmel

am

Erkundung Seidenstraße

Korla ist eine angenehm moderne Stadt, mit breiten, baumbestandenen Straßen, blitzsauber, was eigentlich ein Wunder ist, bedenkt man, dass die Stadt von Wüste umgeben ist. Bei der Anfahrt durch eine der Mondoberfläche gleichenden Umgebung gleicht Korla einer Fata Morgana. Bei der Stadterkundung finde ich einen Fuß- und Radweg, der einem Flusslauf folgt und den sich der Berliner Senat mal anschauen sollte, das ginge entlang der Spree auch ganz gut! Ich fahre an Taichi praktizierenden Senioren vorbei, schachspielenden Männern und Pekingoper knödelnden Frauengruppen. Immer mal wieder wabert der Duft von gegrillten Lammfleischspießchen in meine Nase.

Aber ich wollte ja auch ein wenig Sightseeing betreiben! 15 Kilometer nördlich der Stadt liegt Tianmenguan 天门关, der „Pass am Himmelstor“. Gerade fahre ich noch durch die Stadt, einen Moment später bin ich schon in der Wüste. Die Straße schraubt sich durch Fels und Sand in die Höhe, bis ich das Eingangstor zum Areal erreiche. Das neu erreichtete Besucherzentrum ist noch nicht ganz fertig, die nette Dame an der Rezeption drückt mir dankenswerterweise einen kleinen Faltplan mit der empfohlenen Wanderroute in die Hand. „Vier Kilometer bis zum Wendepunkt, und dann auf der Straße zurück!“, erklärt sie. „Ich sehe, das gibt es auch einen Shuttleservice,“ merke ich an. Ich bin Radfahrer, kein Wanderer. „Noch nicht, vielleicht auch nie. Kommen nicht so viele Leute“, sagt sie lakonisch.

Dann also eine kleine Wanderung. Die bergauf, bergab über die Wüstenbuckel geht und schließlich an einem schicken chinesischen Eingangstor mündet. Dahinter geht es einen Flusslauf entlang gemächlich nach oben. Durch den Pass am Himmelstor, lese ich auf einer Infotafel, mussten alle Seidenstraßen-Karawanen. Ein natürlicher Engpass, der gerne von kriminellen und legalen Beutelschneidern genutzt wurde. Wer Glück hatte, entkam den Banditen, wurde aber Opfer der Zollverwaltung, die kräftig abkassierte. Schließlich musste die Passbefestigung auch bezahlt werden. Auch die eine oder andere Armee wurde hier aufgehalten.

Wie weit wird die Schlucht an ihrem engsten Punkt sein? Maximal zehn Meter, schätze ich. Möchte mir das Ganze mal von oben anschauen und folge einem steilen Treppenaufstieg bis zur Aussichtsplattform. Den eigentlichen Pass sehe ich von hier leider nicht, aber der Rundblick über Schlucht und Wüste ist genauso atemberaubend wie es der Aufstieg war. Hat sich aber auf jeden Fall gelohnt. Vielleicht bin ich doch auch ein Wanderer?

Diese Erkundung bereitet die Tour MYTHOS SEIDENSTRASSE vor, die im Frühjahr 2027 stattfindet. Die Tour ist gesichert, von den zehn Plätzen für die Gesamttour sind bereits vier vergeben. 

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