Durch die Wüste 1

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Erkundung Seidenstraße

Kurz und flach ist die heutige Etappe und führt mitten durch die Wüste. Hatte ich zumindest bei der Planung gedacht. OK, technisch gesehen fahre ich heute 50 Kilometer durch die Wüste. Es fühlt sich aber nicht so an, von der brennenden Sonne einmal abgesehen. Die Straße säumen Maulbeerbäume und Birnbaumplantagen (DIE Spezialität von Korla, und tatsächlich sehr lecker, schmeckt ein bisschen wie die Nashibirne). Die Bauernhäuser sind mit Szenen klassischer chinesischer Literatur bemalt, eine Gruppe mit Szenen aus „Die Reise in den Westen“ hat es mir besonders angetan.

Zweimal werde ich heute von der Polizei kontrolliert, das erste Mal zwei Uiguren in Uniform, sehr förmlich, aber freundlich, die einfach nur wissen wollen, wer ich bin und was ich mache. Dankeschön, Bitteschön, falls Du Hilfe brauchst, die Polizei ist immer für Dich da! Die zweite Kontrolle gerade einmal fünf Kilometer weiter führt ein leicht verschlafener Han-Chinese durch, hat aber eher Interesse an einem Selfie mit mir. Aber doch gerne!

In meinem Hotel bin ich fast der einzige Gast. „Das ist der Radfahrer aus Deutschland!“, erklärt ein etwa fünfzigjähriger recht drahtiger Chinese seinen Freunden, als ich den Hotelsupermarkt betrete. „Woher weißt Du das?“, frage ich ihn. „Ich bin doch der Besitzer des Hotels“, gibt er zurück. Das erklärt zwar nichts, weil ich ja nicht als Volker Häring, Radfahrer, einchecke. Später erzählt er mir, dass er den Bericht im Fernsehn gesehen hat, der vor zwei Woche lief. Das chinesische Fernsehen, sowohl der englischsprachige Sender als auch CCTV, hatten mich nach meinem Vortrag im Chinesischen Kulturzentrum in Berlin interviewed. Das Hotel laufe solala, erzählt er auf Nachfrage, aber er habe ja auch noch andere Geschäfte. Baustoffhandel mit Russland zum Beispiel. „Вы говорите по-русски?“, fragt er mich und ich antworte: „Ne“. Mehr ist da auch nicht. Mein Gegenüber sprich die Sprache allerdings fließend, sein Frau hat in Moskau studiert.

„Falls irgendwas ist, Du was brauchst, sagt Bescheid!“, bietet er mir an. Da wusste ich noch nicht, dass ich tatsächlich darauf zurückkommen werde.

Gegen Abend drehe ich noch eine Runde in den Westen der Stadt, um den Einstieg der morgigen Tour zu erkunden. Da geht also doch eine schmale Straße parallel zur Autobahn. Das beruhigt mich.

Zum Abendessen gibt er lecker Spießchen auf dem Nachtmarkt, wo ein Grillmeister aus dem chinesischen Nordwesten in einem von einem in der Gegend geborenen Han-Chinesen betriebenen Freiluftrestaurant Fleisch und Gemüße zur Perfektion zubereitet. Ein Team aus Mongolen, Kasachen und Uiguren ist für Getränke und Bedienung zuständig. Das Faßbier schmeckt furchtbar, also gönne ich mir ein Weißbier aus der Pekinger Brauerei Yanjing, das ich noch nie vorher gesehen habe, dass aber mit gerade einmal 3,3 Prozent Alkohol genau das richtige bei den Temperaturen ist. „Du bist der Radfahrer aus Deutschland“, spricht mich der Chef an. Hat sich das schon rumgesprochen! Das er mich aber mit „He Xiansheng“, also Herr He, basierend auf meinem chinesischen Namen He Lin 河麟 anspricht, irritiert dann schon. Das kann er eigentlich nicht wissen. „Doch, doch, in dem Fernsehbericht haben sie Dich so genannt!“, erklärt er auf meine Nachfrage.

Herr Wen zeigt mir noch sein Upmarket-Restaurant um die Ecke, in dem im traditionellen zentralasiatischen Stil und ganz Blautönen gehaltene Etablisment sitzen schick gekleidete junge Pärchen und knabbern an riesigen Lammfleischspießchen. Die Luft ist gefüllt mit dem Duft von Kreuzkümmel, Zwiebel, Röstaromen und Paprika. Schade, dass ich schon satt bin!

Jetzt aber ab ins Bett, morgen wird ein langer Tag.

Diese Erkundung bereitet die Tour MYTHOS SEIDENSTRASSE vor, die im Frühjahr 2027 stattfindet. Die Tour ist gesichert, von den zehn Plätzen für die Gesamttour sind bereits vier vergeben. 

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