Augenfutter

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Erkundung Seidenstraße

Dass die letzten Etappen nur eine Overtüre waren für das, was noch bis Kashgar kommt, war mir klar. Dass es aber so überwältigend wird, nicht.

Den gestrigen „Ruhetag“ wollte ich eigentlich für einen Tagesausflug zu den buddhistischen Kizil-Grotten nutzen, nur um dann festzustellen, dass diese genau auf der Hälfte der nächsten Tagesetappe liegen. Fleischtomaten auf den Augen (die hier in Xinjiang besonders lecker sind, nix Weißes im Fruchtfleisch!) bei der Planung der Erkundung. Die Konsequenz: Ein entspannter Ruhetag in Kuche, Wäschewaschen, Blog aktualisieren, den Seidenstraßennewsletter schreiben (15 Zugriffe auf das Anmeldeformular, was überlegt ihr noch! 😉 ). Und heute dann die Etappe bis zum Buddhistischen Höhlenkloster, das das erste entlang der historischen Seidenstraße war, und eine Tradition begründete, die 1.500 Jahre wärte.

Denn gestern hatte ich nach langer Suche auch eine Unterkunft in der Nähe gefunden, das teilt die Strecke in der Hälfte, das Resort (nennt sich Homestay, klassisches Understatement) ist im Seidenstraßenstil gestaltet, viel Erdtöne, simpler Chic, einfach schön! Ein echtes Highlight.

Was mich heute aber absolut geplättet hat, ist die Landschaft. Wie von einem göttlichen Bildhauer geschaffen, abstruse Fels-Sand-Gebilde, nur noch getoppt vom Sightseeingparkplatz mit Captain Duku Mac Coffe mit der Siebträgermaschine. Gaode Maps führt mich auf eine eigentlich gesperrte Straße für Öltransporte, es kommt aber zeitnah zu meiner Ankunft ein Öliger (so nenne ich die Angestellten von China Oil, die an den ultraschiken rotorangen Uniformen zu erkennen sind, und das meine ich ernst, heute hätte ich fast so eine Uniform gekauft, die Farbe ist schlichtweg geil!), der die Schranke öffnet. 6853 ist der Code, bläut er mir ein, das brauchst Du am anderen Ende der Straße. Da führt aber ein kleiner Trampelpfad um die Schranke herum. Ein Blick auf die Karte verrät mir: Fünf Kilometer weiter führt die offizielle Provinzstraße auch ans Ziel. Was solls, etwa zehn Kilometer gespart!

Zwischendrin noch der Schock, weil da am Anfang der Nationalstraße 217 ein Schild stand: Keine Traktoren, keine Fußgänger, keine Radfahrer. Vorsichtig radle ich weiter und werde am Sightseeing-Parkplatz auch prompt von einem uigurischen Polizisten herausgefischt. Der will aber nur meinen Pass sehen, passt auf mein Fahrrad auf, während ich einen Fotostopp mache und wünscht mir dann eine angenehme Fahrt. Am anderen Ende der Ölstraße dann wieder eine Kontrolle, ein uigurischer Riese in Uniform mit Augen in einer Farbe, wie ich es eigentlich nur von Kashmiris kenne, ein schimmerndes Türkis-Blau, der mehr oder weniger nur fragen möchte, ob ich Wasser brauche. Die dritte Kontrolle dann am Zielort, wieder nur uigurische Polizisten, die mir den Weg in die einzige Unterkunft (s. oben) weisen und noch einmal zwei Flaschen Wasser in die Hand drücken.

Bei Ankunft im Hotel werde ich erst einmal auf eine Portion gebratene Nudeln eingeladen. Checke dann ein, lasse mein Gepäck im Zimmer und radle nach dem Essen zu den Kizil-Grotten. Der Weg dahin und die Lage der Grotten sind fast spektakulärer als die Grotten selber, hier haben sich europäische, japanische und amerikanische Forscher jahrelang bedient, so dass in den Grotten so gut wie nichts mehr zu sehen ist, Es sind auch nur fünf Grotten für die Besucher geöffnet, da hält sich der Eindruck in Grenzen.

Aber: Das angeschlossene Museum glänzt mit State-of-the-Art-Technik, und ich darf fotografieren und filmen.

Aber seht selber.

Diese Erkundung bereitet die Tour MYTHOS SEIDENSTRASSE vor, die im Frühjahr 2027 stattfindet. Die Tour ist gesichert, von den zehn Plätzen für die Gesamttour sind bereits vier vergeben. 

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